Bayreuth als Theater
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Auf dem Weg zu einer Festspielgeschichte
Suchbewegungen, oder: Schatten gehören dazu
Geschäfte, Geschichte und Geleitschutz: Zum Verständnis der Quellen
Erdachte Zukunft: Warum der Schwerpunkt »Dirigenten in Neubayreuth«?
Kapitel 2: Zwischen Experiment und Institution: Voraussetzungen
Eine verspätete Selbstfindung
Matrix, Modelle, Metamorphosen
Alle Jahre wieder, alle Jahre neu: Kanon und Kult
Verantwortung und Verantwortlichkeit: Das Beispiel Schlingensief
Zum Wechselspiel von Pflicht und Verantwortung
Zumutung und Zuspruch: Ein Versuch mit Derrida
Kapitel 3: Neue Musik: Der Ring des Nibelungen in der Werkstatt (1876–1937)
Erwartung, oder: Wie Richard Wagner die Gutrune-Szene probte
Verstehen und verstanden werden: Mitschriften, Lesarten, Einrichtungen
Zwischen Ideal und Notlösung: Was sagen uns die Ring- Partituren von Felix Mottl?
»Wie die Verkündigung einer neuen Religion«: Tempo und Agogik I
Bloß keine Sentimentalitäten: Tempo und Agogik II
Versuche der Verdichtung: Musik und Szene
Siegfried schützen: Artikulation und Dynamik
Kapitel 4: Von Richard Wagner zu Cosima Wagner: Ästhetische und ideologische //Transferprozesse
Novalis und die Nornen: Über die Arbeit mit der Zeit
Zeitkontinuum: Festspiele als »Offenbarung«
Gegenwart als Gegenwelt: »Einstilisieren« der Szene
Musikalische Aspekte des »Bayreuther Stils«
Der skeptische Wagnerianer: Hans Sommer als Zeuge des frühen Bayreuth
Metapolitik und Festspielpolitik: Antisemitismus als Regulativ
Kapitel 6: »Die Stimme ist nicht unsichtbar«: Wagner-Gesang im Wandel
»Zart und süß«: Geschlechterbilder, Zuschreibungen, Zeitsprünge
Richard Wagner und der »eigentliche Gesang«
Sprechen, Singen, Zeigen, Meinen
Von »Sängerdarstellern« und »Stimmgräbern«: Paradigmenwechsel
Wortklang und Wortsinn: Zwei Siegfried-Stimmen im Vergleich
Kapitel 6: Im Schatten der Orthodoxie: Bayreuth 1918–1930
Suprematie-Anspruch und Werkbegriff
Kontroverse zum Neustart: Siegfried Wagner und die Juden
»Erkennen, wozu man sich bekennt«, oder: Wer war Siegmund Skraup?
Kapitel 7: »Unbeeinflusst von irgendwelchen politischen Ereignissen«: Heinz Tietjen .
Meister der Machtwechsel: Heinz Tietjen als Diskursgegenstand
39 Jahre Vorgeschichte: Wie Tietjen nach Bayreuth kam
»Wille des Werkes«: Kunst, Politik und die Illusion der Immunität
Abstraktion und Konkretion: Zur Szene bei Tietjen und Preetorius
Kapitel 8: Drei Dokumente zur Arbeit an Tristan und Isolde
»Epos in Musik«: Tietjens Umgang mit Leitmotiven und Heroismen
»Nicht zu schnell, nicht zu langsam«: Furtwänglers Tristan-Partitur
»Ophelia«: Wie Frida Leider die Rolle der Isolde verstand
Kapitel: Farbtafeln
Kapitel 9: Das Ungesagte und das Ungefragte: »Neubayreuth« zwischen Latenz //und Entelechie
Bayreuth holt auf: Plurale Zeitvorstellungen, Kunst als Prozess
Wieland Wagner als Kippfigur
Wurzelstöcke und Werkentdeckung
Parsifal als szenisches Bezugssystem
Je nach Bedarf: Wieland Wagner und Heinz Tietjen beim Feilschen um die Zeit
»Unser Gewissen zu erforschen«: Karl Würzburger über Schuld und Läuterung
Die Leere als Fülle: Über Latenzräume und die Rolle Gertrud Wagners
Kapitel 10: Wer oder was ist ein »lateinischer« Dirigent?
Bayreuther Logik: Von Arturo Toscanini zu Pierre Boulez
Von der Garantie des ästhetischen Abstands
Ambivalenzen der Sachlichkeit
Karajan und andere Italiener
Kapitel 11: Walter Legge oder: Bayreuth am Anfang seines Medienzeitalters
Sind zwei Firmen eine zu viel?
Kompetenz und Kälte, oder: Wo sind die neuen Sängerdarsteller?
Zerplatzter Traum: Das Projekt einer doppelten Tristan-Aufnahme
Gemischte Ware, gut sortiert: Legges Einfluss bis 1966
Kapitel 12: Wieviel Vergangenheit darf sein? Altmeister, Aufsteiger, Außenseiter
»Herz und Hirn jeder Aufführung«: Legitimationsstrategien
Wilhelm Furtwängler als irritierter Berater
Bayreuth als »Gefühlsfrevel«: Bruno Walter
Weiter im Angebot: Beethovens Neunte (Erich Kleiber und Paul Hindemith)
Kapitel 13: »NEIN!!! – das dürfen Sie mir nicht antun«: Hans Knappertsbusch
Ein nützliches Credo und eine Lebenslüge
Komplexe Komplizenschaft
Selbstgenuss im Fremdgenuss, oder: Wo bleibt das Agitato?
»Warum muß das sein?« Musikalische Probenpraxis
Kapitel 14:
»Ausdruck eines gewandelten Lebensgefühls«: Karajans Bayreuth.
»Eine Generation heranbilden«: Mitarbeit, Denkmuster, Ansprüche
Frühe Formen des Leadership
»Im Kampf mit Wieland Wagner«? Tristan und Isolde 1952
»Das Maß«: Hörperspektiven der Zeitgenossen
Kapitel 15: Welche Sängerinnen und Sänger passen nach »Neubayreuth«? Aspekte der //Besetzungspolitik
»Keine wie du«: Wie tragfähig ist der Ensemblegedanke?
Hören, handlungsbestimmend
Koalitionen, Kündigungen, Gedankenspiele: Tenöre von Gedda bis Windgassen und Wunderlich
Werben um Hans Sachs: Dietrich Fischer-Dieskau (und andere)
Kapitel 16: Instanz und Prellbock: Wilhelm Pitz und sein Festspielchor
Wenn die Festspielzeit nie aufhört
Musikalische als soziale Wirklichkeit
Klanggewalt und Klanggestalt: Zur Ästhetik des Chorgesangs
Ohne »Soft Skills« geht es auch: Der Chor als Verfügungsmasse
Kapitel 17: »Bayreuther Fassung«: Tannhäuser als Diskursfeld
Toscaninis langer Schatten
Ein »artfremder« Dirigent: Igor Markevitch
»Jung, hell, durchdringend«: Ringen um eine Synthese
Wolframs Schweigen
»Eine sehr leidenschaftliche Drohung«: Zuspitzung und Eklat
Wandel, Wechsel, Wünsche: André Cluytens, Carlo Maria Giulini und die Frage nach der jungen Generation
Kapitel 18: Erfüllung und Krisen: Joseph Keilberth und Wolfgang Sawallisch
»Eigentlich gut«: Kunst und Selbstkritik bei Joseph Keilberth
»Vorsätzliche Improvisation«? Machtkämpfe um den Ring
Wenn der Hoffnungsträger kündigt: Wolfgang Sawallisch
»Sie sind jung«: Wieland Wagner, ganz nah
Kapitel 19: Oper und Drama: Holländer-Interpretationen im Vergleich
Zeitenwende, schrittweise
»Was so hoch mich erhebet«: Das Duett Senta?/? Holländer
Kunst des Übergangs? Daland, weggeblendet
Bloß keine Erlösung
Kapitel 20: »Der Flieder war’s«: Wieland Wagner und Die Meistersinger von Nürnberg
1924 – 1933 – 1943 – 1956 – 1960 – 1963
Raum und Ritual: Kultisches Theater ohne Nürnberg
»Ironischer Humanismus«: Klang, Körper und ein todernster Narr
Kothners Butterbrot, oder: Wie entsteht dialektisch begründete Prozessualität?
Kapitel 21: »Ich hoffe noch immer«: Otto Klemperer und andere jüdische Dirigenten
»Propagandistisch, moralisch, politisch, künstlerisch«: Warum Klemperer engagiert wurde
»Vorheizer der Hölle«: Eine Parallele zu Thomas Mann
Neue Pläne und ein später Besuch
Weltstars und Einspringer: Leonard Bernstein, Georg Solti, Erich Leinsdorf – und Carlos Kleiber
Kapitel 22: »Wandel und Wechsel liebt, wer lebt.« Oder doch nicht?
Musik, vom Erwartbaren befreit
»Krise der Gesangskunst«: Topos, Befunde, Lösungen
»Isoldes Liebestod«: Stationen von 1966 bis 2015
Kapitel 23: »Ist es das, was wir erhofft haben?« Zur Entstehung //des »Jahrhundert-Rings« von Patrice Chéreau und Pierre Boulez
Der Ring als Initiationserlebnis
Der Ring als Allegorie: Peter Stein und Patrice Chéreau
Der Ring im Wachsen: Poesie statt Konzept
Der Ring in parallelen Welten: Krise und Lösung
Der Ring als Synkretismus: André Glucksmann und die Folgen
Kapitel 24: Gegenwart als Gegenstand, oder: Ästhetische Erfahrung //als soziales Geschehen
Marke ohne Marketing: Worauf Wolfgang Wagner bauen konnte
Erfahrung als Entgrenzung? Ein Rückblick in drei Stationen
Begehren und Verstehen: Auch ein Plädoyer für aufgeklärte Wagnerianer
Ästhetische Autonomie und politische Bedeutung
Parsifal zwischen Entschleunigung und Beschleunigung
Kapitel 25: Neue Wege der Verbindlichkeit
Namibia oder Bundestag: Wohin mit dem Gral?
Ratten und Krokodile: Die lange Jahrtausendwende
Vers une théâtralité informelle I (Musik)
Vers une théâtralité informelle II (Szene)
Gegenwart als Gegenwind? Bayreuth zwischen Empowerment und Bestandsschutz
Anhang
Editorische Hinweise
Abkürzungen und Siglen
Anmerkungen
Quellen
Autographe und seltene Drucke
Musikalien
Selbstzeugnisse und andere Literatur der Familie Wagner
Anthologien, Briefausgaben (außer Familie Wagner), Dokumentationen, Handbücher, Kataloge, Periodika
Weitere Quellentexte, Literatur
Gesprächsbände (außer Familie Wagner), Interviews, Presseberichte, Rezensionen
Sekundärliteratur
Themenfeld Richard Wagner, Bayreuther Festspiele
Musik, Musiktheater, Aufführungspraxis, Interpretation (ohne Bayreuth)
Kultur-, Literatur- und Theaterwissenschaft, Historiographie, Philosophie
Personenregister
Register der Musikdramen Wagners
Abbildungsnachweise
Dank
Description
Die Bayreuther Festspiele feiern 2026 ihren 150. Geburtstag. Seit der Gründung sind sie ein „Seismograph deutscher Befindlichkeit“ (Udo Bermbach), aber auch ein Brennspiegel ästhetischer Prozesse. Das Buch zeigt, wie und warum sich Sinnhorizonte bei den Festspielen verschoben haben. Es beschreibt, wie und warum sich der Umgang mit Wagner diesseits und jenseits der Bühne verändert hat – teils radikal, teils moderat und fast unmerklich.
Die 25 Kapitel des Buches widmen sich zentralen Aspekten der Festspiele unter neuen Blickwinkeln und oft auf der Basis unveröffentlichter Dokumente. Zahlreiche Quellen werden erstmals ausgewertet – aus dem Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung, aus weiteren Archiven sowie aus privaten Nachlässen. Dazu gehört die Korrespondenz mit weltberühmten Dirigenten (Herbert von Karajan, Wolfgang Sawallisch, Pierre Boulez und vielen anderen). Auch durch Quellen zur Regie von Heinz Tietjen und dem legendären „Neubayreuth“ bis hin zu den Inszenierungen von Patrice Chéreau oder Götz Friedrich ergeben sich ungewohnte Perspektiven. Briefe, Briefentwürfe, Tagebücher, Protokolle und Berichte werden dabei ebenso einbezogen wie Dirigierpartituren, Regiebücher und Tonaufnahmen. Der Fragehorizont reicht von Wagners eigener Einstudierung des „Rings“ 1876 bis in die Gegenwart. Dass dabei auch Wandlungen des Wagner-Gesangs eine Rolle spielen, versteht sich von selbst.
So entsteht ein facettenreiches und vielfach auch neues Bild der Festspiele von der Zeit Richard und Cosima Wagners bis zu jüngsten Produktionen von Barrie Kosky und Tobias Kratzer. Es zeigt sich: Bayreuth ist stets das Besondere und das Allgemeine zugleich, von Menschen gemacht, gefeiert, kritisiert, verdammt.
Der Leser erlebt die Geschichte der Festspiele als in sich heterogen, aus vielfältigsten Perspektiven zusammengesetzt, bisweilen verwirrend, aber aufregend und bereichernd – und immer im Kontext des politischen und kulturellen Geschehens, nicht nur in den Zeiten des Nationalsozialismus.
Buch gebunden, 674 Seiten.
Erscheinungsjahr: 2026
Details
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- Stephan Mösch
- Bayreuth als Theater
- Auf dem Weg zu einer Festspielgeschichte
- Bärenreiter
-
- book
- 1
-
- bound
- geb
- 2026
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